Die Geschichte der Spitalkirche

Spitalkirche St. Johannes der Täufer

Karikatur des Spitals
Karikatur des Spitals

Ein eindrucksvoller Bau begrenzt den Julius-Echter-Platz im Norden. Es ist das ehemalige Bürgerspital mit der Spitalkirche, heute evangelische Kirche mit Gemeindezentrum. So beherbergt das älteste Gotteshaus Iphofens (auf eine Stiftung von 1338 zurückgehend) die jüngste evangelische Kirchengemeinde (seit 1987) des Dekanats Kitzingen.

Sehr repräsentativ wirkt der sich auftürmende Volutengiebel an der Westfront des ehemaligen Spitals, besonders wenn man ihn vom Herrengraben (dem Fußweg vor der Stadtmauer) aus betrachtet. Die Vorderfront des Spitals wird durch schmale, hohe Fenster und den Treppenturm mit Pforte gegliedert, daran schließt sich das Kirchenschiff mit Maßwerkfenstern, der Kircheneingang und der Chor an. Die architektonischen Elemente (Fenster, Tore) scheinen eher auf das Spätmittelalter als Bauzeit zu verweisen. Doch gibt uns eine Tafel über dem Kircheneingang mit dem fürstbischöflichen Wappen und der Jahreszahl 1607 eine andere Auskunft. Es heißt hier:

Freu dich du alte schwache Schahr
Dißorts Gott segnet dich fürwar
Durch Bischoff Julium des handt
Weißlich regirt das Franckenlandt
Über Virtzig Jahr vnd baut gantz New
Viel Kirchen Schuel vnd andere Bew
Wie dan vor augen diß Spittal
Bitt das er komm in Himmels Saal.

Der in der Inschrift genannte Bischof Julius ist Bischof Julius Echter von Mespelbrunn. Er war einer der bedeutendsten Würzburger Bischöfe (1573 -1617), der auch das geistige und kulturelle Leben seiner Zeit mitgeprägt hat. So ist er Wiederbegründer der Würzburger Universität. Die Bauten, die er in seinem Herrschaftsgebiet hat errichten lassen, prägen geradezu Franken, vor allem die Kirchen mit den hohen, spitzen Kirchtürmen. Auch in Iphofen hat er die Stadtpfarrkirche St. Veit mit ihrem hochaufragenden Turm vollenden lassen.
Er bevorzugte einen eher konservativen Baustil - man spricht geradezu von Julius-Echter-Stil – mit spätgotischen Elementen, wie sie auch Spital und Spitalkirche prägen. Und Bischof Julius Echter war der große Gegenreformator Frankens, der auch in Iphofen Bürger zur Rückkehr zum katholischen Glauben oder zum Verlassen seiner Stadt zwang. Dass sich nun ausgerechnet in einem von ihm wiederhergestellten Bau eine evangelische Kirche befindet, hätte er sich wohl nicht träumen lassen. Aber es zeigt sich auch, dass es in der Geschichte Weiterentwicklungen gibt, greifbar in dem heute entspannteren Verhältnis der Konfessionen untereinander.

Zweck des Spitals war, Kranke und Alte, die keine Angehörigen hatten, zu betreuen und zu pflegen. Alten Spitalordnungen können wir entnehmen, dass Pfründner und Pfründnerinnen recht gut versorgt wurden, so stand ihnen täglich eine halbe fränkische Maß Wein zu, und das waren immerhin etwa drei Schoppen! Über die Qualität des Essens gab es allerdings immer wieder Auseinandersetzungen.

In der Nachkriegszeit entstanden dann in der näheren Umgebung modernere, besser ausgestattete Heime. Als 1977 die im Spital tätigen Mallersdorfer Schwestern abgezogen wurden, musste dieses endgültig geschlossen werden.
Aber für den traditionsreichen Bau fand sich bald eine neue Verwendung. Durch die Kriegs- und Nachkriegswirren bedingt, waren im früher rein katholischen Iphofen auch Evangelische ansässig geworden. Eine evangelische Gemeinde bildete sich.
Sie konnte schließlich das alte Spital mit Kirche übernehmen (Pachtvertrag mit der Spitalstiftung auf 99 Jahre) und nach umfangreichen Renovierungen und Umbauten hier einziehen. Ein Glücksfall sowohl aus denkmalpflegerischen als auch aus kirchlichen Gründen! Ein historisches Bauwerk von Rang bekam eine neue, angemessene Funktion und eine junge, lebendige Glaubensgemeinde einen schönen, traditionsreichen Mittelpunkt.

Die evangelische Gemeinde von Iphofen zählt heute bereits 650 Mitglieder. Sie ist die am schnellsten wachsende Gemeinde des Dekanats Kitzingen! Mit einer halben Pfarrstelle ausgestattet, gestaltet sie heute das religiöse und geistige Leben der Stadt Iphofen mit.

Fassen wir die Geschichte des Baues noch einmal kurz zusammen:

  • 1338 Stiftung des Spitals durch den Iphöfer Bürger Berthold Schurig
  • Mitte 15. Jh. Bau des Chors
  • Anfang 17. Jh. Wiederinstandsetzung und Neubau durch Bischof Julius Echter
  • Mitte 18. Jh. Barocke Innenausstattung
  • 1977 Schließung des Spitals
  • 1987 Weihe der evangelischen Kirche mit Gemeindezentrum

Ein Gang durch die Kirche

Innenansicht mit Altären und Kanzel
Foto aus: Iphofen; Verlag Schnell & Steiner

Das Innere der ehemaligen Spitalkirche St. Johann Baptist wird geprägt von einer farbenfrohen, heiteren Barockausstattung. Ältester Teil der Kirche ist der spätgotische Chor (Mitte 15. Jh. erbaut), während das Langhaus aus der Zeit Bischof Julius Echters stammt.

Die Spitalkirche war Johannes dem Täufer geweiht und er begegnet uns in der Kirche gleich zwei Mal: Auf dem Schalldeckel der barocken Kanzel als Prediger des Herrn und dann auf dem eindrucksvollen Bild des Hauptaltars: Ein grausiges Geschehen wird hier dargestellt. Salome, die Stieftochter des Herodes hält das Haupt des Johannes in den Händen, der auf ihre Bitten hin – er hatte sie zurückgewiesen – enthauptet worden war. Aber der Himmel öffnet sich und ein Engel reicht ihm die Märtyrerkrone. Der hl. Josef mit dem Jesuskind und die hl. Elisabeth flankieren die Szene.

Beide Seitenaltäre sind im Aufbau gleich und stammen wie der Hauptaltar aus der Zeit um 1740. Einen interessanten Einblick in die Frömmigkeit früherer Zeiten – man zeigte seinen Glauben und wollte möglichst unmittelbar am religiösen Geschehen teilhaben - gewährt der linke (nördliche) Seitenaltar. Wir erfahren aus der lateinischen Inschrift in der Mittelnische der Predella, dass Herr Georg Linck und seine Frau Anna Barbara diesen Altar zu Ehren des hl. Johannes Nepomuk – der Brückensturz ist im Hintergrund des Altarbildes dargestellt - 1740 gestiftet haben und sie finden nun mit ihrem Wappen (in einer Wappenkartusche im Segmentgiebel) und ihren Namenspatronen selbst Eingang in den Altar: Georg Linck in einer Darstellung des hl. Georg oben im Giebelfeld, seine Frau Barbara mit der Figur der hl. Barbara auf dem seitlichen Podest.

Zwei schöne Holzfiguren schmücken den Raum. Beide werden dem aus Iphofen stammenden Riemenschneider-Schüler Augustin Reuß zugeschrieben: Neben dem Eingang eine Madonna. Auf einer Mondsichel stehend, den Kopf von einem Sternenkranz umgeben, zeigt sie ihr Kind dem Betrachter: Sehet den Erlöser der Welt!
An der Wand gegenüber der hl. Kilian, iro-schottischer Mönch und Missionar, der in Würzburg den Märtyrertod erlitten hat. Hier wird er mit Bischofsstab und Mitra dargestellt. Sehr fein ausgeführt, an Riemenschneiders Kunst erinnernd, ist sein Gesicht. In Franken wird er seit Viktor von Scheffels Frankenlied als Schutzheiliger der Winzer verehrt und so passt er ganz besonders in diese schöne Kirche des alten Weinstädtchens.
Neben dem Hauptaltar können wir noch eine kleine Kostbarkeit bewundern: Ein Sakramentshäuschen aus Speckstein, aus dem 15. Jahrhundert stammend. Im Giebelfeld befindet sich eine kunstvolle Darstellung der Veronika mit dem Schweißtuch und dem Antlitz Christi. Leider wurde das kleine Kunstwerk durch ein später angebrachtes eisernes Türchen verunstaltet.

Ein Bild des jugendlichen Martin Luther Ð wie es sich gehört neben der Kanzel - macht deutlich, dass die alte St. Johannis Kirche heute der Evangelisch - Lutherischen Kirchengemeinde ein zuhause bietet.

Aus tiefem christlichem Glauben stammend, vielen bedürftigen Menschen ein Zuhause gebend, auch heute noch dem Glauben als Mittelpunkt einer Gemeinde dienend - so könnte man den Weg von Spital und Kirche durch die Jahrhunderte beschreiben.
Dank sei Gott dafür!

Helmut Döbrich